La Bocca, I Piedi, Il Suono - Salvatore Sciarrino

Ist es das Rauschen des Windes? Ist es ein Wasserfall in der Ferne? Oder nur der Hauch des nahen Atems, durchsetzt mit einigen Seufzern? Wer denkt, hundert Saxofone müssten ohrenbetäubend klingen, irrt gewaltig. Der 1947 geborene Sizilianer Salvatore Sciarrino nimmt die «winds», wie man Blasinstrumente auf Englisch nennt, offenbar beim Wort. In der 1997 uraufgeführten Komposition «La Bocca, I Piedi, Il Suono» («Der Mund, die Füsse, der Klang») umgarnt er das Publikum mit hundert Saxofonen und vier Solisten auf höchst subtile Weise. Die Klangereignisse kommen von überall her, bewegen sich suchend im Raum, finden und vereinigen sich. Im Laufe von vierzig Minuten entsteht ein unentrinnbarer Sog.

Gemeinsam mit hundert Schülerinnen und Schülern der Musikschule Konservatorium Bern wurde das Werk 2006 in der Französischen Kirche Bern aufgeführt. 

Atem- und Klappengeräusche, Mehrklänge, Vibrieren, Pulsieren, langsames An- und Abschwellen des Tones – es gleicht einem kleinen Abenteuer, was die Jugendlichen an neuen Spieltechniken erlernten. Und schliesslich muss auch die Choreographie stimmen, denn die hundert Saxofone bewegen sich ständig im Raum. Nirgends könnte sich die sinnliche Raum-Komposition besser entfalten als in einem grossen Sakralgebäude.
 
Daniel Fuhrimann

Die Liveaufnahme des Konzertes erschien 2007 auf dem Label Cubus Records und ist weiterhin erhältlich.

Kritik zu "La Bocca, I Piedi, Il Suono:

 

Die vier hochsensibel musizierenden Saxophonisten des Berner Konus-Quartetts begeben sich in eine fast rituell anmutende Interaktion mit sage und schreibe einhundert weiteren SaxophonistInnen der Musikschule des Konservatoriums Bern. Doch nichts von Tohuwabohu. Was sich da als Raumkomposition in einem Kirchenraum ereignet hat - "Der Mund, die Füsse, der Klang" -, entfaltete sich langsam, meditativ, atmend, bestrickend, magisch: Musik, die man noch weniger als andere Musik erklären kann. Man muss sie erleben. 
 
Helmut Rohm, Bayern 4 Klassik